"Es ist eine Gnade, hier sein zu dürfen." Udo Jürgens dankt für begeisterten Applaus.

#udo80hashtag udo achtzig
Das ist jetzt modern, ganz technik-affin.
Unter dieser Zeichenfolge findet man ihn!

 

Das ist sie also:
Meine 17. und seine 25. Tournee.

Mitsubishi Electric Halle (Philipshalle) Düsseldorf

Hätte mir jemand 1980, bei meinem ersten Konzertbesuch, als Udo Jürgens so alt war wie ich heute, gesagt, dass wir uns 34 Jahre später wiedersehen — er, unvermindert poetisch und kraftvoll auf der Bühne singend und spielend, ich unvermindert begeisterungsfähig im Saal — man hätte uns beide wohl für verrückt erklärt. Und doch haben wir uns am 4. November 2014 in Düsseldorf wiedergetroffen. Und vier Wochen später sogar noch einmal, in Wien.

Was Udo Jürgens als “Gnade” empfand,
da sein zu können, nicht wegen mir, nein!,
sondern “nach so vielen Jahren.”

 

Hier sind meine persönlichen Erinnerungen an “Düsseldorf”:

Wie macht er das? 100 Prozent gab er ja schon immer. Aber jetzt noch mehr? Nein, ganz und gar 100 Prozent Udo Jürgens. Mitten im Leben steht er mit 80 Jahren wohl im Geiste, auf der Bühne der Philipshalle im ersten Teil aber doch etwas wackelig auf den Beinen. Das macht jedoch nichts, denn singen tut er besser als bei den letzten Tourneen. Kraftvoll in allen Lagen. Aggressiv, liebevoll, ironisch. Textsicher, ausdrucksstark, mit innerster Überzeugung. Geradezu mit Sendungsbewusstsein. So, als wolle er nicht nur auf keinen Fall als Schlagersänger im Gedächtnis seiner Zuhörerschaft bleiben, sondern auch so, dass die nächsten Generationen keinesfalls sagen können, er habe sie nicht gewarnt, nicht wach gerüttelt. Vor der Zerstörung des Globus (Krone der Schöpfung), vor dem gläsernen Menschen angesichts faschistischer Mächte (Gefangen im Netz).

Udo Jürgens am 4.11.2014 in Düsseldorf
Udo Jürgens am 4.11.2014 in Düsseldorf

So gerät schon der erste Konzertteil zu einer großen Werkschau des Sängers, der etwas zu sagen hat. Einem tatsächlich ausverkauften Saal (die Abendkasse wurde gar nicht erst geöffnet), in dem er gerne jeden einzeln begrüßt hätte, es aber dann bei seiner anwesenden Tochter Jenny beließ. Und mit den Gedanken an seine Kinder dann sichtlich gerührt im Programm fortfuhr.

Udo Jürgens am 4.11.2014 in Düsseldorf

Das war gespickt mit persönlich anmutenden Titeln wie "Ich würd es wieder tun", die nicht nur wunderbar in die späten Tage einer, seiner, Karriere, passen, sondern deren Wiederbegegnung ich mir erträumt hatte – führten sie mich doch in die Jahre 1980/82 zurück, zu unseren ersten Live-Begegnungen. Damals übrigens auch in Düsseldorf im selben Saal (vor der Renovierung und Umbenennung).

Udo Jürgens am 4.11.2014 in Düsseldorf

Verzichtbar war im ersten Programmteil "Die Sonne und Du / Jeder so wie er mag", denn auch die Textpassage vom verregneten Sommer war für mich für dieses Jahr unpassend gewählt. Ich hatte einen super Sommer.

So hätte es für mich und meinen Geschmack ein Easy-Listening-Titel vom neuen Album besser getan.

Sehr schön zum offstage gesungenen Eröffnungstitel ("Die Welt braucht Lieder" mit den Versen "Fliegen gegen den Wind ... Liebe gegen den Hass ..."; sich selbst am E-Piano begleitend, mit Unterstützung vom Orchester auf der Bühne) die Panoramaflüge über den Globus mit den Städten seiner Lebensstationen – da hatte er die Themen des bevorstehenden Abends gleich kompakt vorneweg angesungen und zusammengefasst, und man wagte zu ahnen, wie es weitergehen könnte.

Ein Hauch von Abschiedstournee wehte mithin durch Düsseldorf und die Halle mit dem unaussprechlichen Namen. "Resümeetournee" würde es besser treffen. Eigentlich ein schönes Wort. Aber das Lied zauberte Vorfreude auf eine sehr lebende Musikerlegende.

Udo Jürgens am 4.11.2014 in Düsseldorf

Mit Humor erzählte UJ von der Ein-Mann-Demo gegen ihn und sein Lied "Der Mann ist das Problem", dessen ironischen Gehalt er präzise hervorhob, in der Hoffnung, daß der Demonstrant das vielleicht auch verstehen könnte. (Tatsächlich gab der einsame Demonstrant im Nieselregen vor der S-Bahnstation Oberbilk ein etwas armseliges Bild ab.)

Und auch sonst war Jürgens redselig und entspannt bei seinen Zwischenmoderationen, zugleich gut vorbereitet, sich aber bisweilen doch selbst dabei ertappend, dass sie zu langatmig werden könnten (vor “Gefangen im Netz” und “Krone der Schöpfung” – ein Zeichen dafür, wie sehr ihn die Inhalte dieser Lieder bewegen).

Udo Jürgens am 4.11.2014 in Düsseldorf

Und so ging es dann im ersten Teil des zweiten Teils weiter. Bis man unversehens nach New York und zum Bühnensturm aufbrach.

Diesmal waren wohl nicht so viele Düsseldorfer da, denn es wurde nicht vor der Bühne telefoniert. Bei “Griechischem Wein” und “New York” unpassend mitsingen und lautstark streiten scheint aber für viele zum guten Ton eines Konzertbesuches zu gehören; da muss man dann schon mal unfreundlich um Ruhe zischen. Was sogar wirkte. Aber doch so unnötig wie ein kropf sein müsste!

Udo Jürgens am 4.11.2014 in Düsseldorf
Udo Jürgens am 4.11.2014 in Düsseldorf

Kent Stetler, etwas pausbackiger geworden, erfreute mit schönem Gesang ebenso wie die vollbusige Dorothea Loreen, wenn auch für die hinteren Reihen akustisch besser abgemischt. Aber wofür sitzt und steht man vorne! Die Philipshalle hatte schon immer eine gute Akustik (die Udo Jürgens in Kenntnis damaliger Abrisspläne schon in den 1980er Jahren ausdrücklich gelobt hatte) vor und nach ihrer Renovierung, und so war auch in der ersten Sitz-Reihe und in der dritten Steh-Reihe alles prima.

Udo Jürgens am 4.11.2014 in Düsseldorf

Da meine Begleitung nicht so recht wusste, wann und wie unsere Blumen mit Grußkarten zu übergeben seien, und ich auch keinen Plan hatte, ergriff mich dann schon gegen Ende der ersten Begrüßung, langanhaltender Applaus, Pressefotografen hinter uns, der Mut. Wir also nach vorne (ich voran, sie im Schlepptau). Mittig vor der Bühne, 5000 Leute im Rücken, Udo Jürgens von Angesicht zu Angesicht, reiche ich die Blumen hoch, Sie grüßt glücklich, mir fehlen aber 30 Zentimeter. Beugt Udo Jürgens sich nach vorne, fällt er mir in die Arme. Tut er einen Schritt nach vorne, stolpert er über die Bühnentechnik. Also tue ich, was ich im Leben noch nie konnte, schon gar nicht mit Blumen — Werfen. Das obere Ende des Straiußes voran, Jürgens erwischt die Verpackungsfolie. GEGLÜCKT. Ein letzter Gruß gewunken, und zurück zum Platz.

Udo Jürgens am 4.11.2014 in Düsseldorf

Um 22:54  Uhr weiß ich, es war die einzige und letzte Gelegenheit — das Hauspersonal ließ niemanden mehr nach vorne, und gegen Ende im Bühnensturm war es zu turbulent und unpersönlich. So schmückte also unser Strauß das ganze Konzert alleine den Flügel, nur in der Pause gesellten sich zwei weitere, kleine hinzu, die verzweifelte Fans in der Pause auf der Bühne abgelegt hatten (es erinnerte ein wenig an Kranzabwurf) und derer sich Dmitri beim Tee-Servieren erbarmt hatte.

Erste Reihe links, das sind natürlich die teuersten, aber nicht die allerbesten Plätze, denn man sieht den Pianisten von schräg links/hinten. Allzuweit links war es aber nicht (in der Mitte der Reihe), also noch ganz passabel. (Die Akustik dort übrigens bestens ausgesteuert.) Udo Jürgens von dort nur seitlich sehen zu können, erweis sich als nicht zu unvorteilhaft. Doch dann der große Schreck: Bei den Nahaufnahmen auf der Hintergrund-Projektion schaute er mir und uns direkt in die Augen. Das war mir dann tatsächlich etwas unangenehm.

Udo Jürgens am 4.11.2014 in Düsseldorf
Udo Jürgens am 4.11.2014 in Düsseldorf

Immerhin: Bei der ersten Begrüßung nach dem Eröffnungstitel schritt Jürgens die ganze Bühnenbreite ab und schien wirklich auch die erste(n) Sitzreihe(n) zu erfassen. Mein Bruder jedenfalls ist überzeugt, meinen zehnjährigen Neffen habe er bemerkt. (Der übrigens den ganzen Abend das Spektakel fasziniert und diszipliniert verfolgte.)

Auch in der zweiten Hälfte gab es wenig Lieder vom aktuellen Album, dafür rührende Wiederbegegnungen im neuen Gewand (Immer wieder geht die Sonne auf). Ein Großer blickt auf sein großes Schaffen zurück und beweist dessen Ewigkeitswert.

Udo Jürgens am 4.11.2014 in Düsseldorf

Jürgens hat gezeigt, wie facettenreich sein Schaffen (ab 1965) ist, wie aktuell es ist, wie ernst er es mit seinen persönlichen und seinen sozialkritischen Liedern meint (man könnte denken, ernster denn je, denn auf ihn gehört hat noch niemand wirklich). Und er hat erneut bewiesen, dass er sich auf die große, ernste Unterhaltung versteht und zu den Größten des Showbusiness gezählt werden muss. So versäumt er es nie, zu Beginn die Stadt, in der er sein Publikum begrüßt, beim Namen zu nennen, meist gepaart mit Anekdoten um die Halle, in der er auftritt (meistens war er dort schon über viele Jahrzehnte, hat Erinnerungen an den Anfang seiner Karriere oder, wie diesmal, moniert er die merkwürdigen Namensgebungen); das wirkt ungemein.

Udo Jürgens am 4.11.2014 in Düsseldorf
Udo Jürgens am 4.11.2014 in Düsseldorf
Udo Jürgens am 4.11.2014 in Düsseldorf

Nach dem Bademantelfinale minutenlang “dudududu ...” (Liebe ohne Leiden) vom Saal alleine zurückgelassen intoniert, plötzlich kommt Udo Jürgens in Sportschuhen, Blue Jeans und Hemd (halb aus der Hose hängend) zurück — nicht ganz zufällig um zehn vor elf.  Unwillkürlich dachte ich an den Buchtitel und Song "Leben in Blue Jeans".

So verabschiedet sich alleine am Klavier und mit "Zehn nach Elf", engelsgleich mit der Solovioline (Asya Sorshneva) verziert.

Udo Jürgens am 4.11.2014 in Düsseldorf

Das gab's noch nie, ein Finale nach dem Bademantel-Finale (allenfalls natürlich ein zweites Bademantelfinale), wo er sich ganz privat zeigt, entledigt von Smoking und Etikette - ein abgeschminkter Clown, der den Saal zum seinen Privatgemächern macht und die Menschen da hinein, in seine Seele,  schauen lässt. "Zehn nach Elf" ist natürlich genau das richtige, das einzig denkbare Lied für diesen Zweck und muss schon beim Entstehen des Albums eben dafür gezielt komponiert worden sein. (Oder kam diese choreografische Idee nach dem Lied? Man weiß es nicht, Henne oder Ei ...) Das tut der Wirkung überhaupt keinen Abbruch. Wer Travestieshows kennt, weiß, dass die Herren Damen auch gerne am Ende alle Maskerade fallen lassen und sich wie Du und Ich, privat, verletzlich, nahbar offenbaren. Das sind immer seltsam tragische, melancholische Momente. Obwohl der Zauber der Vorstellung vorbei ist, sind sie doch magisch. Und auch hier versäumt UJ es nicht, noch einmal "Düsseldorf" im Text unterzubringen ("Es gibt vieles zu erzählen - von heut' abend hier in Düsseldorf, und auch von mir”), Mehr Zuneigung zum Publikum geht nicht.

Den Leib verpackt - die Seele nackt,
so mach' ich mich bereit,
für jeden neuen Drahtseilakt
zwischen Traum und Wirklichkeit. *)

Wenn ich als abgeschminkter Clown
nach meinem letzten Ton
mit hochgezog'nen Augenbrau'n
vor meinem Spiegel thron,
steck' ich mir selbst die Zunge raus
und nehm' mir Zeit für mich. *)

Mit den vorzüglich aufspielenden Männern und Frauen von vier Kontinenten rund um Pepe Lienhard hat UJ im Laufe der Zeit zu einer unvergleichlichen Symbiose gefunden. Kaum vorstellbar, dass das schon beinahe vier Jahrzehnte währt und Peter Lübke, Schlagzeug, damals 19, seit Beginn noch heute mit unverminderter Energie dabei ist. Um nur einen zu nennen.

Udo Jürgens am 4.11.2014 in Düsseldorf
Udo Jürgens am 4.11.2014 in Düsseldorf
Udo Jürgens am 4.11.2014 in Düsseldorf
Udo Jürgens am 4.11.2014 in Düsseldorf
Udo Jürgens am 4.11.2014 in Düsseldorf
Udo Jürgens am 4.11.2014 in Düsseldorf
Udo Jürgens am 4.11.2014 in Düsseldorf
Udo Jürgens am 4.11.2014 in Düsseldorf
Udo Jürgens am 4.11.2014 in Düsseldorf

Die erste Reihe teilte ich mir mit meinem Stiefvater (73) meinem Bruder (38) und meinem Neffen (10).
Sie alle waren, jeder auf seine Weise, ganz altersgemäß, begeistert.
So setzt sich eine Tradition fort.
(Mein Bruder durfte mich mit unserem Vater erstmals 1982 in der Kölner Sporthalle begleiten ...)

Udo Jürgens am 4.11.2014 in Düsseldorf

*) Textzeilen aus “Ladies and Gentlemen (1986)

Alle Fotos dieser Seite habe ich auch in größerer Auflösung ins Netz gestellt,
Einfach hier klicken!

Foto von Udo Jürgens mit unserem Strauß: Karin Michaeli, Düsseldorf 4.11.2014

Einen sehr persönlichen Bericht mit einer Hand voll wunderbarer Fotos (die ich verwenden darf, danke)
hat Karin Michaeli aus Düsseldorf in ihrem Blog veröffentlicht: Hier klicken ...

Das Programm des Abends:

Erster Teil

 

Die Welt braucht Lieder [1988]

Offstage, mit E-Piano
Am Bühnenhintergrund wunderbar illustriert mit einem Segelflug über den Globus, die Städte seiner Laufbahn markiert.
Übrigens die Eröffnungsnummer des “Blauen Albums” aus dem Jahr 1988, auf dem er mit “Moskau - New York” den Mauerfall vom Herbst 1989 antizipierte.

Alles aus Liebe [2014]

Zwischendurch “Das Orchester Pepe Lienhard” mit Applaus bedacht.

Was ich gerne wär’ für dich [2014]

“Hass fällt auf einen selbst zurück. Ein Gefühl, dass ich nicht kenne. Mit diesem Lied möchte ich Ihnen sagen, was ich sein möchte für Sie.”
Intonationssicher bis zum as’’ vorgetragen!

Das Leben bist du [2014]

“Für meine Tochter Jenny, die heute abend hier ist, aber eigentlich für jeden von uns ...: Wir unterschätzen die Kraft unserer Gedanken.”

Gefangen im Netz [2014]

 

Ich will ich / I Will, I Can [1986]

im Duett mit Dorothea Loreen

Ich bin dafür [1982]

Einer meiner All-time-favorites. Dafür ein besonderer Dank! (Der dezent modernisierte Text tut dem keinen Abbruch.)

Die Sonne und Du [1983] /
 Jeder so wie er mag [1986]

 

Die Krone der Schöpfung [1999]

“Machet Euch die Erde untertan! Nein. Wir müssen mit der Erde, mit der Umwelt leben, nicht gegen sie.”
Pepe Lienhard, Solisten und Orchester haben das sehr gut über die Bühne gebracht!

Zweiter Teil

 

Opening: Hautnah [1984]

“Vielen herzlichen Dank! Schön, dass Sie noch da sind. Es freut mich ungemein, heute abend hier zu sein.”

Ich würd’ es wieder tun [1981]

 

Der Mann ist das Problem [2014]

“Männer sind etwas wunderbares. Es sind Genies --- dabei. Manche sind vom Genie etwas weiter entfernt ...”

“Haben Sie schon einmal erlebt, dass eine Frau beim Autofahren so // dicht auffährt? Also ich fahre jetzt seit bestimmt 95 Jahren Auto, ich habe das noch nicht erlebt. ... Es ist gut, dass an den mächtigen Entscheidungen in dieser Welt auch Frauen beteiligt sind, dass wir das nicht alleine machen müssen.”

Tausend Jahre sind ein Tag [1979]

Garniert mit Solo-Percussion (Billy Kudjo Todzo) und Schlagzeug (Peter Lübke) als Intermezzo

Udo Jürgens dankt herzlichst den Musikerinnen und Musikern des Orchesters, mit denen er seit Jahren und Jahrzehnten auf Tournee gehen darf.

Ich war noch niemals in New York [1982]
(How About You [Kent Statler] /
New York, New York [Dorothea Loreen])

Huch, plötzlich Bühnensturm. Na denn, los!
Man bekam wieder die ganz große Show geboten. Diesmal mit Bauer und Frau.

Griechischer Wein [1974]

In der Version, bei der er den Schlage aus dem Lied herausgenommen und den sozialkritischen Kern freilegt - wie weiland schon 2000.

Ein ehrenwertes Haus [1974] /
Aber bitte mit Sahne [1976] /
Mit 66 Jahren [1977] /
Mitten im Leben [2014]

“Es wird wohl Zeit, dass wir ein paar Oldies spielen!”
... und alle singen alles mit.

Immer wieder geht die Sonne auf [1967]

Jürgens moderiert das Lied ausführlich an und erzählt, dass er erst durch sein Musical “Ich war noch niemals in New York” auf dieses Liede iweder aufmerksam geworden sei und dadurch erst erkannt habe, was in dem Lied wirklich drin steckt. So präsentiert er es in neuem Gewand, auch vom Schlager befreit, im beinahe kammermusikalischen Duett mit einer der Sopranistinnen.

Anuschka [1969] /
Cottonfields [1968] /
Es wird Nacht, Senorita [1967] /
Mathilda [1968] /
 

Nun kommen ein paar Hits vom Anfang der Karriere (wenn man Ende der 1960er Jahre als Anfang rechnet). Vorschläge aus dem Publikum, während der Anmoderation gerufen, blieben unerfüllt. So gab es weder Jenny, noch weiße Chrysanthemen noch Gin und Rum. Aber den Leuten hat’s gefallen.

Mitten im Leben (Refrain, instrumental) [2014]

 

Mein Ziel [2014]

Eigentlich woltle Udo Jürgens immer nur eine Familie ernähren, das war sein Ziel, seinerzeit ... nun ist etwas mehr daraus geworden. Die etwas überkitschte Fassung der CD wird auch hier geboten, aber erträglicher.

Mitten im Leben (Refrain, instrumental) [2014]

Anschließend Verabschiedung des Orchesters an der Bühnenrampe

Bademantel-Finale

 

Merci Chérie [1966] /
17 Jahr, blondes Haar [1965] /
Zeig mir den Platz an der Sonne [1971] /
Liebe ohne Leiden [1984]

Für Tochter Jenny war es sicher ein bewegender Abschluss, und für UJ wohl kaum weniger - hatten die beiden doch vor dreißig Jahren “Liebe ohne Leiden” aufgenommen.
Am Ende hört UJ zu spielen und zu singen auf, dirigiert das Publikum am Bühnen rand mit “ drei vier eins ...” und entschwindet.
Ungezählte Male singen alle den Refrain “dudududu ...” und klatschen ohne Ende dazu. Kaum einer ahnt, wie es weitergeht ...

Zehn vor Elf-Finale

 

Zehn nach Elf [2014]

... da erscheint Jürgens genau zwei Minuten später in Sportschuhen, Blue Jeans und weißem Hemd, wirkt optisch etwas derangiert ... und präsentiert ganz intim noch dieses ebenso intime Lied. Beinahe sphärisch erscheint im weißen schulterfreien Abendkleid am anderen Bühnenende die Violinsolistin Asya Sorshneva und begleitet engelsgleich die Schlußstrophe.

 

 

 

Zitate: Udo Jürgens, am Konzertabend

Zehn vor Elf

 

Udo Jürgens in Wien am 5.12.2014 (Foto: Achim Hohlfeld)

Udo Jürgens 2014 in WIEN

WIen ist immer eine Reise wert.
Anfang Dezember 2014 war es eine besondere Reise: Udo Jürgens und ich, wir “trafen” uns am 5. Dezember 2014 in der Wiener Stadthalle. Er sang und spielte auf der Bühne, ich lauschte und schaute vom Saal aus zu:

Wien im Dezember. Das kann eine gute Jahreszeit sein, wenn der Himmel blau, die Wolken fern und die Sonne gut gelaunt sind. Es kann aber auch einfach schäbig nass-kalt sein. So war es am Freitag, den 5. Dezember 2014. Wie gut, dass einen in einer solchen Situation die Wiener Stadthalle wohlig-warm empfängt, das Personal freundlich ist und man unaufgefordert bis zum Platz geleitet wird, auch wenn es  nur die zweitbeste Platzkategorie in der zehnten Reihe (immerhin Parkett) ist. Wo man dann auf k. u. k.-Klappstühlen (= kurz und knapp) doch recht bequem und nah vor der Bühne Platz nimmt. Man erspäht sofort “übliche Verdächtige” (hat das Ticketsystem einen “NRW-Fanblock” vorgesehen?), aber auch Freddy Burger mit Frau und in Begleitung von Dagmar Koller. Es ist der vorletzte Abend dieser Herbst-Tournee, kurz nach dem 80. Geburtstag von Udo Jürgens, und er beginnt recht pünktlich um kurz nach halb acht mit dem Refrain von “Aber bitte mit Sahne” als Piano-Painting, an das sich nahtlos das richtige Openign anschließt.

Zusammenfassung:

Udo Jürgens fliegt mit behender Leichtigkeit und dem selbst gebauten Drachen auf einer Welle aus Sympathie und Begeisterung durch die Wiener Stadthalle

 

Fazit:

Gegen 'Wien' war 'Düsseldorf' ein müdes Vorspiel.

Udo Jürgens in Wien am 5.12.2014 P1030801
Udo Jürgens in Wien am 5.12.2014 P1030806

Auf eine Wiederholung von bereits Gesagtem will ich verzichten. Stattdessen gebe ich hier meine unmittelbaren Eindrücke aus dem Konzert und dem noch lebhaft präsenten Vergleich mit Düsseldorf einen Monat zuvor wieder.

Orchester: In Top-Form. Zwar war 'Tausend Jahre sind ein Tag' nicht immer ganz synchron. Doch sonst gab es nur professionelle Bestleistungen zu bestaunen. Kent Stetler kann tatsächlich singen und spontan sein  ("I like to sing Udo Jürgens Tune"). Pepe Lienhard ist total entspannt bis enthemmt an diesem vorletzten Abend der Tournee. Und Jörg Sandmeier mag zwar besser aussehen als sein Nachfolger Alex Hendriksen, musikalisch wünsche ich ihn mir hingegen nicht zurück.

Udo Jürgens in Wien am 5.12.2014 P1030808
Udo Jürgens in Wien am 5.12.2014 P1030811

Natürlich singt Udo Jürgens alles live, kommt beim Text aber nur drei mal etwas durcheinander. Sein Klavierspiel war etwas leise abgemischt, doch was man hörte, war präzise und bedarfsweise locker improvisiert. Seine persönliche Choreografie bei den Liedern, wo er am Klavier sitzt, aber nur singt, war nun deutlich stimmiger. Wie überhaupt das ganze Bühnengeschehen merklich ausgereifter wirkte. So hinterlassen vier Wochen Tournee deutliche Spuren - deutlich angenehme Spuren.

Auch Jürgens’ Stimme hatte sich in der Zwischenzeit deutlich stabilisiert, und er selbst wirkte tatsächlich um nicht wenige Jahre jünger als noch einen  Monat zuvor. Merklich entspannter, lockerer, risikofreudiger übrigens auch.

So geht das also zu, bei den ganz Großen des Showbusiness!

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Im ersten Teil war das deplatzierte Medley 'Die Sonne und Du / Jeder so, wie er mag' gegen die Geschichte vom 'Gekauften Drachen' (die wir, so UJ, alle kennen) ersetzt. Man darf gegen das Lied wohl einwenden, es sei schon zu oft gespielt worden. Thematisch passte es aber sehr gut in den ersten Teil. Und dass UJ dessen Botschaft besonders am (oder im) Herzen liegt, bewies dann diese ungemein frische, intensive Darbietung, die alle vorherigen vergessen machen konnte und auch in den höchsten Höhen sicher und überzeugend daherkam.

Was auch für die anderen Titel aus der ersten Hälfte zu sagen wäre. So wie vieles aus seinem Schaffen seit Jahrzehnten Gültigkeit für sich beanspruchen darf, so beansprucht Jürgens erklärtermaßen für sich, sich auch heute noch über Aktuelles Gedanken zu machen und diese musikalisch als Lieder für das Volk (Volkslieder) in Konzerten vorzutragen. Mögen die Kritiker auch anmerken, dass erst mit den alten Hits im zweiten Teil das Konzert so richtig gezündet habe - der erste Teil sei ihm eigentlich wichtiger.

Udo Jürgens in Wien am 5.12.2014 P1030827
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Dass das Konzert in Österreich, Wien, stattfand, gab ihm den erwarteten besonderen Reiz. Bei seinen Lebensstationen, die während des Openings eingeblendet wurden, und in Österreich zu verorten waren, brandete spontan Beifall auf (speziell ganz zu Beginn 'Klagenfurt'). Beim finalen Ort 'Wien' gab es dann gar kein Halten mehr und scheinbar nicht enden wollende stehende Ovationen. Und auch sonst überraschte das Publikum mit Spontaneität — diesmal war ich nach 'Ich bin dafür' nicht der einzige, der aufstand. Und auch vor der Pause gab es für 'Die Krone der Schöpfung' einen langen Sturm aus Begeisterung und Anerkennung.

Auch Jürgens selbst war sichtlich gerührt, nach so vielen Jahrzehnten wieder in Wien auf der Bühne zu stehen, und erinnerte ausführlich an seine ersten Gehversuche in den 1950er Jahren im Volksgarten mit dem Orchester Johannes Fehring.

Jürgens zeigte sich von Beginn an sicher, locker, selbstironisch, stimmlich bestens disponiert. Die Zwischenmoderationen hatte er im Verlauf der Tournee eben diesem sowie dem Auftrittsort angepasst. 'Die Krone der Schöpfung' war so nicht mehr Kritik an der katholischen Kirche, sondern an der Sorglosigkeit der Menschheit. Zudem flocht er die Entstehungsgeschichte mit seinem übermütigen Brief an Herbert von Karajan ein, der ihn ermutigte, diesen dritten Satz seiner Trilogie mit den Philharmonikern einzuspielen ("Berliner" hat er nicht gesagt, war ja in Wien). Besuche am Bühnenrand verbat er sich ausdrücklich anlässlich eines ersten zaghaften Versuchs, denn das störe den Konzertablauf, sei für die anderen Besucher langweilig und fordere seine Konzentration in einer Weise, was man ihm als jungem Menschen nicht zumuten könne. In Ermangelung der Ein-Mann-Demonstrationen in Österreich erfuhr man vom 'Mann, der das Problem ist' nur kurz, dass darin jede Zeile wahr sei. Und schwupps waren 80 Minuten kurzweilig vorüber.

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Schade, wirklich schade, dass so viele Zuschauer und Zuschauerinnen es nicht erwarten können, bis im zweiten Teil “endlich” die Party vor der Bühne losgeht. Irgendwie liegt da schon von den ersten Takten an so eine Unruhe in der Luft, kaum spürbar, aber sie verhindert doch die sorgfältig choreografierte Spannung und Stimmung. Denn mit den Titeln “’ich würd’ es wieder tun’ gleich nach dem Opening und der reduzierten Version von ‘Griechischer Wein’ wäre doch soviel Gelegenheit für Besinnung und Nachdenken gegeben. Aber nein! Tausend Augenpaare sind nur darauf aus, wer wagt es, wer traut sich, wer läuft zuerst? Was machen die Saalordner? Wo sind die Wege? Erreiche ich die allererste Reihe Mitte, steht auch niemand zu Großes vor mir? Werden meine Nachbarn wenn schon dann auch richtig mitsingen? Das ist nicht fair den Künstlern auf der Bühne gegenüber, und unverschämt, respektlos und schandhaft ist es, wenn es gegen deren ausrücklichen Willen passiert. Beim Fußball gibt es Stadionverbote ...

Hört, ihr Bühnenstürmer, lasst es Euch gesagt sein: Wie schön kann ein Stehplatz in der zehnten Stuhlreihe sein!

Udo Jürgens in Wien am 5.12.2014 P1030844
Udo Jürgens in Wien am 5.12.2014 P1030890

 

Im zweiten Teil gab es dann drei Änderungen gegenüber Düsseldorf: Der 'Griechische Wein' wurde vor ’Ich war noch niemals in New York’ eingeschenkt, folgte also auf 'Tausend Jahre sind ein Tag'; einige hundert "Fans"  ignorierten die freundlich, bestimmt und ausführlich von UJ selbst vorgetragene Bitte, erst danach zur Bühne zu kommen. Das quittierte er mit deutlichem Missfallen, und mir schien, er wäre kurz davor gewesen, das Lied abzubrechen. Die vordersten Bühnenstürmer wurden dann auch weitgehend von ihm ignoriert, auch wenn das Schild "Danke UDO ganz einfach froh, dass es dich gibt" unübersehbar aus der zweiten Stehplatzreihe bühnenmittig mehr als oft hochgehalten wurde und es sogar bis auf die Hintergrundprojektion schaffte. Zum zweiten wurde das 60er-Jahre-Medley durch 'Merry Christmas' ersetzt, was mit großem Zuspruch aufgenommen wurde (Jürgens schien es ohne Texthilfe locker fehlerfrei  bewältigt zu haben). Das Medley vermisste wohl niemand wirklich. Drittens gab es im Bademantelfinale anschließend keine 'Liebe ohne Leiden', sondern — 'Wien', was kaum anders zu erwarten war und beifälligst begrüßt wurde. Alleine deswegen hat sich die Reise gelohnt!

Ganz fix gab es dann noch schnell den Kostümwechsel (ohne dududududu, nur Applaus, in gerade einmal anderthalb Minuten bewältigt) und das Finale mit 'Zehn nach Elf'. Wegen der früheren Anfangszeit allerdings schon um halb elf.

Udo Jürgens in Wien am 5.12.2014 P1030904
Udo Jürgens in Wien am 5.12.2014 P1030945

Sollte es meine letzte Gelegenheit gewesen sein, ein Konzert von Udo Jürgens zu besuchen — es war die bis dahin beste Gelegenheit. Nach meinem persönlichen Höhepunkt in Düsseldorf (erste Reihe, Blumen überreicht) einen Monat zuvor war dies nun der atmosphärische Höhepunkt nach beachtlichen 34 Jahren Tournee-Besuchen.

DANKE.

P. S.
Am nächsten Mittag Freddy Burger am Graben im 1. Bezirk zu treffen (inmitten einer völlig überfüllten Stadt), kann kein Zufall gewesen sein und war es doch. So habe ich mich bei ihm spontan für diesen Abend bedankt und unbekannterweise schöne Grüße ausrichten lassen.

Udo Jürgens in Wien am 5.12.2014 P1030952

 

Aufgeschrieben am 7. Dezember 2014
im Café Hawelka, 1. Bezirk, Wien.

Udo Jürgens Wien 2014 (Foto: Achim Hohlfeld)

©
Die Fotos aus Wien, soweit nicht anders angegeben, verdanke ich Susanne Pfeifer,
die mit der Verwendung hier freundlicherweise einverstanden ist.

Eine vollständige Auswahl gibt es in diesem Picasa/Google+ Album - grösser - zu sehen.

 

Links:

Presseinformationen zur Tournee

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Tournee 2014: Mit 80 Jahren "Mitten im Leben"

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